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Vortrag im Rahmen des DdI-Kolloquiums:

Attraktiver und anspruchsvoller Informatik-Unterricht, ein Widerspruch?

StR Johann Penon, Informatiklehrer am Oberstufenzentrum Handel I in Berlin und Mitarbeiter des Landesinstituts für Schule und Medien (LISUM) in Berlin
Termin:Dienstag, 22. Mai 2001, 16-18 Uhr
Ort:Raum 205, Otto-Hahn-Str. 16, 44227 Dortmund

In der letzten Zeit tauchen wiederholt Befürchtungen auf, das Fach Informatik könne bei den Schülerinnen und Schülern zuviel Erfolg haben und damit zu einem Massenfach wie Biologie werden. Diese neue Attraktivität berge die große Gefahr eines drastischen Absinkens der Leistungsanforderungen.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Mangels an ausgebildeten Informatiklehrerinnen und -lehrern mag diese Ansicht berechtigt sein, nicht aber im Hinblick auf die Ansprüche der Didaktik der Informatik. Es muss ein Ziel der Fachdidaktik Informatik sein, den Unterricht so gut und damit so attraktiv wie möglich zu gestalten.

In der bisherigen fachdidaktischen Diskussion standen fast immer die Inhalte des Informatikunterrichts im Vordergrund selten jedoch die Unterrichtsmethoden. Ich glaube es ist an der Zeit dies zu ändern und damit die Erziehungswissenschaft stärker in das Blickfeld der Fachdidaktik zu holen.

Was macht nun einen methodisch guten und damit attraktiven Informatikunterricht aus?

Auf der Grundlage der "Vier didaktischen Kriterien für die Gestaltung Handlungsorientierten Unterrichts" (Hilbert Meyer, Unterrichtsmethoden II: Praxisband, Frankfurt 1989 S. 412 ff.) werde ich Fragen stellen, an denen Unterrichtskonzepte und realer Unterricht  insbesondere aus methodischer Sicht zu messen sind:

  • Werden die "subjektiven Schülerinteressen zum Bezugspunkt der Unterrichtsarbeit gemacht"?
  • Werden die Schülerinnen und Schüler zum selbständigen Handeln ermuntert?
  • Wie wird im Unterricht die "Öffnung der Schulen gegenüber ihrem Umfeld" vorangetrieben?
  • Stehen Denken und Handeln in einem ausgewogenen Verhältnis?
  • Werden die Unterrichtsinhalte mit Themen des alltäglichen Lebens verknüpft? (vgl. Heymann, Allgemeinbildung und Fachunterricht S. 25)
  • Ist der methodische Aufbau für die Schülerinnen und Schüler nachvollziehbar und wird das Unterrichtskonzept offengelegt?
  • Werden fachspezifische Problemlösungsstrategien systematisch benutzt und thematisiert?
  • Gibt es eingefahrene methodische Strukturen oder sind die Methoden auf die Unterrichtsinhalte bezogen?
  • Lässt der Unterricht Raum für experimentelle Vorgehensweisen der Schülerinnen und Schüler?
  • Sind die im Unterricht benutzten Werkzeuge der Problemstellung angemessen und für die Schülerinnen und Schüler frei verfügbar?
  • Werden Beurteilungskriterien offengelegt und sind sie für die jeweilige Unterrichtssituation adäquat?
  • Fördert oder behindert die Konfiguration der schulischen Rechenanlage den Unterricht?
  • Welchen Einfluss hat die Raumgestaltung auf den Unterricht?
  • Gibt es eine Zusammenarbeit mit anderen Fächern?

Anhand der vorliegenden Unterrichtsmaterialien des OSZ Handel I und der Beratungsstelle für informationstechnische Bildung und Computereinsatz in Schulen (bics) im LISUM werden die vorgestellten Kriterien konkretisiert.