

Lehrbuch: Didaktik der Informatik
Sigrid Schubert, Andreas Schwill
Spektrum Akademischer Verlag 2003 - ISBN 3-8274-1382-6
380 Seiten - 29,95 EURVorwort
Informatik ist bereits seit mehreren Jahrzehnten mehr oder weniger weit in die Schulen vorgedrungen. Dennoch besteht immer noch ein sehr großer Bildungsbedarf auf dem Gebiet "Didaktik der Informatik", der zum einen historisch entstanden ist aus dem fortwährenden Mangel an grundständig ausgebildeten Informatiklehrkräften und dem positiven Phänomen der Enthusiasten, die sich autodidaktisch in die Informatik einarbeiteten und so den Fortbestand einer attraktiven, wenn auch sehr subjektiv geprägten, informatischen Bildung sicherten. Zum anderen ist es die Informatik selbst, die mit ihrer dynamischen Entwicklung ständig eine Beobachtung, Bewertung und Neukonzeption unterrichtlicher Zugänge erforderlich macht. Während aber vor wenigen Jahren der Bereich "Didaktik der Informatik" noch durch eine Ansammlung von exemplarischen Einzellösungen und Unterrichtsbeispielen geprägt war, für die dann kein systematischer Überbau vorlag, ist in der Zwischenzeit eine Forschungs-Community entstanden, die zentrale Fragestellungen der Informatikdidaktik bearbeitet und auf deren Ergebnisse verwiesen werden kann. Mit diesem Buch wird daher auch ein Beitrag zur Orientierung des wissenschaftlichen Nachwuchses geleistet.
In den letzten Jahrzehnten entstanden wissenschaftliche Arbeiten zur theoretischen Fundierung der Schulinformatik, z.B. das Konzept der fundamentalen Ideen, das Konzept des informationszentrierten Zugangs, das Konzept der didaktischen Systeme, das Konzept der Dekonstruktion. Diese erlauben es, informatikdidaktische Empfehlungen für die Grundbildung und Vertiefung im Unterrichtsfach Informatik zu begründen. Im vorliegenden Buch nimmt diese Diskussion breiten Raum ein und schließt auch kritische Sichtweisen zu den Vor- und Nachteilen unterrichtlichen Handelns ein. Unmöglich erscheint den Autoren eine Verkürzung komplizierter fachdidaktischer Entscheidungsprozesse auf einen speziellen Weg des informatischen Problemlösens unter dem Schlagwort "Objektorientierung von Anfang an und immer" oder eine Antwort auf die Frage nach der "besten Programmiersprache". Es ist ein wesentliches Anliegen des Buches über die Vielfalt und den geistigen Reichtum der Informatik aufzuklären und beispielhaft zu zeigen, wie die Transformation in den Lernprozess der Schülerinnen und Schüler erfolgen kann.
Dieses Buch zur "Didaktik der Informatik" wendet sich an alle Studierenden des Lehramtes Informatik, an alle Referendarinnen und Referendare, die das Schulfach Informatik unterrichten und an alle Informatiklehrerinnen und -lehrer, die an neuen Unterrichtskonzepten für die informatische Bildung interessiert sind. Unsere Leserschaft sollte die fachinhaltlichen Konzepte des Informatikgrundstudiums kennen, um die darüberliegende Ebene der Beziehungen zwischen Lernzielen, Lerngegenständen und Lernmethoden gestalten zu können. Das Buch entstand aus Vorlesungen zur "Didaktik der Informatik" an den Universitäten Dortmund, Paderborn, Potsdam und Siegen. Anfangs lagen Skripte und Übungsmaterialien vor. Mit den Jahren entstand eine beachtliche Sammlung an Unterrichtsentwürfen, die im Kontext der schulpraktischen Ausbildung entstanden, studentischen Projektarbeiten, Examens- und Diplomarbeiten. Diese werden ergänzend zum Buch über die Webseiten der Autoren verfügbar gemacht.
Das Buch gliedert sich in elf Kapitel, von denen die ersten fünf das junge Fachgebiet "Didaktik der Informatik" theoretisch untersetzen. Dieses theoretische Fundament wird bewusst sehr berufsfeldspezifisch auf die Schulpraxis hin ausgerichtet. Für weiterführende Betrachtungen wird auf die wachsende Zahl informatikdidaktischer Dissertationen bzw. auf die fachwissenschaftliche Basisliteratur verwiesen. Im Kapitel "Was ist Informatik?" stellen die Autoren ausgewählte Grundbegriffe bereit und formulieren eine kritische Bilanz des Schulfaches Informatik. Das Kapitel "Grundmodell für Ziele, Inhalte und Lehrmethoden" möchte besonders den Berufsanfängern die Sicherheit geben, dass die hohe Komplexität und Vernetzung informatischer Lehr- und Lern-Prozesse sehr erfolgreich und mit viel Freude organisiert werden kann. Das Kapitel "Theoretische Fundierung der Schulinformatik" zeigt, dass die Auswahl und Vernetzung zeitbeständiger Bildungsinhalte sehr elegant und zuverlässig vorgenommen werden kann. Die Schulinformatik kann souverän von der Halbwertszeit des Informatikfachwissens entkoppelt werden. Die Kapitel "Informatisches Modellieren und Konstruieren", "Objektorientierung" und "Informatiksysteme" vertiefen die empfohlenen Bildungsschwerpunkte und untersetzen diese mit Lernaufgaben. Die Kapitel "Anfangsunterricht" und "Projektunterricht" geben Anregungen für zwei besonders typische, aber auch besonders schwierige Phasen informatischer Bildung. Kompliziert ist das Kapitel "Interaktion" deshalb, weil Informatiksysteme nicht nur Unterrichtsgegenstand, sondern auch Unterrichtsmittel (Medium des Lernens) sind. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigte, dass die Zeit für eine realistische Einstellung zum Lernen mit neuen Medien (E-Learning, Blended Learning) reif ist. Informatiksysteme werden gute Lehrpersonen entlasten, aber niemals ersetzen. Viel Spaß beim Lesen!
Siegen und Potsdam, im Sommer 2003 Sigrid Schubert und Andreas Schwill

